Studenten waren schon immer ehrenamtlich an den Hochschulen engagiert, was die politische Landschaft an den Universitäten erheblich bereichert. Durch den seit 2010 umgesetzten Bologna-Prozess haben sich die Rahmenbedingungen für die freiwillige Arbeit innerhalb der Hochschulpolitik geändert.

Auswirkungen des Bologna-Prozesses

Das politische Vorhaben des Bologna-Prozesses zielte auf die Schaffung einheitlicher Abschlüsse im Europäischen Hochschulraum. Das Abkommen wurde schon 1999 von 29 europäischen Ministern für Bildung unterzeichnet und sah als Zeitziel das Jahr 2010 vor. In Deutschland wurden die angestrebten zweistufigen Bildungsabschlüsse als Bachelor und Master umgesetzt. Gleichzeitig wurde das ECTS, das Europäische Credit Transfer System, als Leistungspunktesystem eingeführt. Die Rahmenbedingungen für studentisches Engagement haben sich dadurch stark verändert. Zeitplanungen beim Studium wurden zunehmend fremdbestimmt, das beeinflusste die studentische Motivation für die Übernahme von Ehrenämtern innerhalb der Hochschulpolitik. Dabei sind diese Engagements für die Studierenden wie für die Gesellschaft gleichermaßen bedeutsam. Wer sich auf diese Weise für gesellschaftliche Interessen einsetzt, lernt gemeinsame Ziele anzustreben und auch in übergreifenden Kooperationen zu erreichen, Mitstreiter zu motivieren und zu führen, Ideen zu generieren und Projekte inklusive der nötigen Finanzierung zu verwirklichen. Bei eingegrenztem Zeitlimit sind einige Aktivitäten heute schwerer als noch zu Beginn der 2000er Jahre umzusetzen.

Reaktion engagierter Studenten

Die Studierenden haben auf die Herausforderungen nicht mit Rückzug reagiert, sondern an ihren Ehrenämtern größtenteils festgehalten. Diese bringen ihnen selbst einen mess- und spürbaren Nutzeffekt, es werden unersetzliche Fähigkeiten erworben, die im späteren Berufsleben wertvoll sind, daneben Kontakte geknüpft und Netzwerke geschaffen. Trotz der Verkürzung von Studienzeiten sind nach wie vor zahlreichen Studentenorganisationen aktiv, gesellschaftliche und politische Hochschulgruppen arbeiten weiter fast wie vorher. Allerdings haben sich die Rahmenbedingungen europaweit geändert, Studenten mussten sich dem Anpassen, nutzen aber heute zur Vernetzung moderne, web-basierte Netzwerke wie Facebook und StudioVZ, um sich zu organisieren. Dieser Effizienzgewinn erhält das studentische Ehrenamt auf altem, gewohnten Niveau.