Auch wenn Renate Künast nicht Bürgereisterin in Berlin geworden ist, es sieht gut aus für die Grünen. Vor einigen Jahrzehnten noch galt man als Kommunist, wenn man die Entscheidungen der Konservativen in Frage stellte. Das hat sich zum Glück geändert. Waren die Grünen in den 70er und 80er Jahren zum größten Teil eine Partei für sogenannte Ökos, weltfremde Gutmenschen, haben sich ihr Ansehen und ihr Auftreten in der Gesellschaft stark gewandelt.

Sie sind seriöser geworden, trugen und tragen Regierungsverantwortung. Fünf Euro für den Liter Benzin wird wohl kaum ein Grüner mehr öffentlich verlangen. Sie sind endgültig in der Real-Politik angekommen. Größeren Zulauf erhalten die Grünen zwar auch von den – und das ist nicht abwertend gemeint – Überbleibseln der 68er-Bewegung, siehe Stuttgart 21. Doch die größte Unterstützung erfahren die Grünen mittlerweile von jungen Erwachsenen.

Der 16-Jährige mag die Grünen vielleicht gewählt haben, weil sie sich für die Legalisierung von Marihuana einsetzen, das soll gar nicht verschwiegen werden. Interessant wird es aber, wenn man sich die Ergebnisse letzten Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern anschaut. Erstmals haben die Grünen den Einzug in den Landtag geschafft. Aufschlussreich ist es, wenn man sich Aufteilung der Stimmen in den einzelnen Wahlkreisen anschaut. Rostock ist Universitäts-Stadt, verfügt somit auch über ein sogenannten Szene- beziehungsweise Studentenviertel. Das ist in Rostock die Kröpeliner-Tor-Vorstadt (kurz: KTV). Hier haben knapp 20% der Wahlberechtigten die Grünen gewählt. Die Rede kann hier gar nicht gestrigen Ökos sein. Grün gewählt haben die Akademiker von morgen.
Die Grünen haben das Vertrauen der Wähler erhalten, jetzt heißt es, Taten folgen zu lassen. Wenn die Grünen es beispielsweise schaffen, aus einem starken Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg ein grünes, starkes Baden-Württemberg machen, dann kann aus den Grünen – getragen von jungen erwachsenen Wählern – in den nächsten Jahren und Jahrzehnten eine Volkspartei werden.